10.06.2017
ÄRGER WEGEN NÄCHTLICHEM STUDENTENLEBEN

Hier entsteht gerade ein neues Gebäude mit vier Lehrsälen - im Januar soll es bezugsfertig sein. Hochschul-Chef Harald Wilhelm, rechts, und Klaus Völkel, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, betrachten die Bauarbeiten im hinteren Bereich des Campus-Geländes. Die Beeinträchtigungen durch die Baustelle halten sich in Grenzen, sagen die Betroffenen.

Foto: cp



Der Freistaat errichtet ein Lehrsaal-Gebäude für die Verwaltungs-FH. Das stört die Anwohner lange nicht so sehr wie die lautstarken Vorgänge im neuen Wohnheim.


Von Christoph Plass


Hof - Wie die Dame wirklich heißt, wissen die Beteiligten gar nicht. Doch die Frau vom Wachdienst, die in jüngster Zeit leider öfter mal in der Hofer Wirthstraße unterwegs sein muss, hat ihren Spitznamen bei den Studenten weg: "Erika" hat schon so manche Party aufgelöst. Das ärgert die Beamtenanwärter, das freut die Anwohner, das drängt nun die Hochschul-Leitung zu drastischen Schritten. Seit dem Bezug der drei neuen Wohnheim-Gebäude für Studenten der Hochschule für den öffentlichen Dienst hat es einige Beschwerden wegen nächtlicher Lärmbelästigung gegeben. Das soll sich jetzt ändern, kündigt Hochschul-Chef Harald Wilhelm an. Er hat in den vergangenen Tagen schwere Geschütze aufgefahren.

Das ist die Situation: 270 der 280 Studentenwohnungen in den drei neuen Gebäuden in der Wirthstraße sind belegt. Die restlichen zehn Zimmer hält die Hochschulleitung vorerst frei, damit kurzfristig jemand ein- oder umziehen könnte. Die Parksituation, die vielen Anwohnern Sorge bereitet hatte, sei durch den hohen Stellplatz-Schlüssel entschärft, sagt die Hochschule.

Das Studentenleben läuft im Alltagsmodus. Mit einer unschönen Begleiterscheinung: Anwohner haben sich bereits wegen nächtlicher Ruhestörung bei der Hochschulleitung, der Polizei und auch der Frankenpost gemeldet. "Uns liegen drei Beschwerden aus der Wirthstraße und der Baugenossenschaft sowie eine Handvoll interner Klagen von Studenten vor", sagt Harald Wilhelm. Und macht - ohne es auszusprechen - deutlich, dass er Hochschulleiter ist, kein Kindergärtner. Er hat daher Maßnahmen ergriffen, um den Beamtenanwärtern, die künftig durch Lautstärke auffallen, ihre Grenzen aufzuzeigen.

Vergangene Woche hatte Wilhelm die Polizei, das städtische Ordnungsamt und die Wach- und Schließgesellschaft zu einem Gespräch gebeten. Ergebnis: Die Hochschule erweitert ihre Hinweise auf Nachtruhe, Grillverbot und andere zwischenmenschliche Gepflogenheiten in den neuen Gebäuden - damit Polizei und Co. härter durchgreifen können, sollten sie doch noch gebraucht werden. An diesem Donnerstag hat Harald Wilhelm sämtliche 270 Bewohner der Heime einbestellt: Sie mussten per Unterschrift quittieren, dass sie anwesend waren, als er Benimmregeln, Verbote und Konsequenzen aufzählte. Letztere gehen für ihn weit über die schnell anstehenden Geldbußen für Ordnungswidrigkeiten hinaus: "Das reicht bis zum Entzug des Wohnheimplatzes und Mitteilungen an den jeweiligen Dienstherren." Genau das ist es ja, warum ihm bei der Problematik so der Kragen platzt.

Harald Wilhelm lacht gern. Er schmunzelt viel, er erzählt frei drauf los, er öffnet seine Hände oft zur weiten Geste und hat jenen offenen Blick derer, die schon viele Probleme gelöst haben. Doch verzieht sich seine Miene arg, wenn er an das Verhalten "einiger weniger Studenten" denkt. Und Klaus Völkel, bei der Verwaltungs-FH zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, sagt, was seinen Chef dann bewegt: "Das sind alles Beamtenanwärter, sie bekommen während ihres Studiums ein Gehalt und ein kostenloses Zimmer." Dafür müsse man sich auch den kritischen Blick von außen gefallen lassen. Zumal es ja Alternativen gebe zur Grillparty auf der Fluchttreppe des Wohnheims.

Auf dem Campus der Verwaltungs-Hochschule selbst sei schon immer viel los und viel möglich gewesen und, ob für den studentischen Sport oder das sommerliche Grillen: "Es gibt viele Ausweichmöglichkeiten auf dem Campus oder ganz in der Nähe", betont Wilhelm. Seine Mahnung an die Beteiligten war klar, sein Kurs ist es ebenso: "Wir werden hier keine weiche Linie fahren." Und auch, wenn er sich keine Illusionen darüber macht, dass das Zusammenleben zwischen Studenten und Anwohnern immer wieder für Reibereien sorgen wird, hofft er, dass der große Anfangs-Ärger nun gedämpft werden kann. Er hatte ohnehin mit Beschwerden aus einer ganz anderen Richtung gerechnet.

Auf dem Gelände der Verwaltungs-Hochschule, von der Wirthstraße aus gesehen hinter dem Hauptgebäude, entsteht gerade ein Trakt mit vier neuen Lehrsälen. Hier baut das staatliche Bauamt im Auftrag des Freistaats, derzeit sind die Beteiligten mit den Arbeiten am Fundament beschäftigt. Eine Million Euro kostet der Bau, im Januar 2018 soll er bezugsfertig sein. "Und das geht alles seinen Gang", betonen Klaus Völkel und Harald Wilhelm.

Die Hochschule selbst ist hier nicht zuständig, sie wird nur Nutzer des Gebäudes sein. Und ist, momentan, auch ein wenig Leidtragender. "Die mündlichen Prüfungen haben wir in Räume auf der anderen Seite des Gebäudes verlegt", teilen Wilhelm und Völkel mit. Derartigen Pragmatismus predigen sie auch ihren Studenten, die schon mal über Baulärm klagen: "Das ist aber doch lebensadäquater Lärm, er tritt auch nur zwischen 6 und 18 Uhr auf", erläutert Harald Wilhelm dann seinen lernwilligen Studenten. Und er hofft, dass sich auch die andere lärmende Angelegenheit erledigt hat.