04.11.2017
STEINWAY-FLÜGEL DÜRFEN IN DEN LIFT

Am Haus Marteau in Lichtenberg laufen bereits die Arbeiten. Inzwischen ist zu sehen, wo der unterirdische Konzertraum entstehen soll.

Foto: Köhler



Mit den Änderungen beim Umbau des Hauses Marteau in Lichtenberg befasst sich nächste Woche der Bezirksausschuss. Dabei geht es auch um den Transport der Instrumente.


Von Manfred Köhler


Lichtenberg - Der künftige Konzertsaal im Haus Marteau in Lichtenberg soll über einen einzigen Lift erreichbar sein statt über eine Kombination aus zwei Liften und einer Rampe. Dies war einer von mehreren Änderungsvorschlägen in der Planung des Münchner Architekten Peter Haimerl. Nun stellt er die Pläne bei einer Sitzung des Bezirksausschusses am 9. November in der Bezirksverwaltung in Bayreuth vor.

Wie mehrfach berichtet, werden in den Um- und Ausbau der denkmalgeschützten Villa des schon zu Lebzeiten weltberühmten Geigenvirtuosen Henri Marteau rund 3,2 Millionen Euro investiert. Kern des Mammutprojektes ist der unterirdische Übungs- und Konzertraum in Form eines Stollens: Wegen der spitzzackigen Raumelemente für die Akustik wird er jetzt schon "Splitterraum" genannt. Den Konzertbesuchern soll damit ein noch besseres Musikerlebnis ermöglicht werden.

Der Splitterraum steht nun auch im Mittelpunkt einiger zu beschließender Änderungen. Wie Architekt Peter Haimerl auf Anfrage vorab mitteilte, soll der neu geplante integrierte Personen- und Transportlift vom Haupteingang im Erdgeschoss des Hauses Marteau direkt bis auf Bühnen-Niveau führen. Der 2,10 Meter lange und 1,10 Meter breite Lift biete Platz für zehn Personen oder einen Flügel und erleichtere auch den Zugang für behinderte Menschen. Diese Variante sei nicht teurer, auch beim Bau ergäben sich dadurch keine Verzögerungen.

'In einer Musikbegegnungsstätte sollen die Menschen zusammengeführt werden.'
Architekt Peter Haimerl zur Anordnung der Bühne


Eine weitere angedachte Änderung betrifft die Bühne des Konzertsaals selbst: "Bei einer Musikbegegnungsstätte sollten die Menschen gerade bei einem Konzert zusammengeführt werden", sagt Haimerl. Deshalb solle die Bühne nun statt an die Außenseite in die Raummitte gerückt werden, sodass sich das Publikum um den Künstler gruppieren kann.

Über diese beiden zentralen Verbesserungsvorschläge hinaus wird Peter Haimerl dem Bezirksausschuss noch kleinere Änderungen vorschlagen. So könne die Künstlerkantine vergrößert werden, indem eine nicht tragende Trennwand weggelassen wird. Damit werde die Kantine größer und heller.

Für die künftige Arbeit vor Ort bietet die Ein-Lift-Lösung wohl den größten Vorteil. Wie Dr. Wolfgang Hegel, Büroleiter für Kultur und Heimatpflege des Bezirks Oberfranken, auf Anfrage mitteilte, sei es so möglich, die beiden 300 Kilo schweren Steinway-Flügel des Hauses Marteau flexibel vom Erdgeschoss bis hinunter zur Bühne zu bringen. Die vorher angedachte Variante mit zwei Liften und einer Rampe hätte bedeutet, dass die wertvollen Instrumente teils von außen hätten zum Konzertsaal transportiert werden müssen: "Dazu hätte man die Flügel erst einmal auf Rollen heben und dann über einen kleinen Abhang schieben müssen", sagte der Büroleiter.

Während Planung und Bauarbeiten in Lichtenberg weiterlaufen, hat sich der vorübergehend ausgelagerte Betrieb in Bad Steben gut angelassen. Wie berichtet, finden seit August die Kurse des Hauses Marteau in den Räumen der katholischen und evangelischen Kirche Bad Steben sowie im Kurhaus und zum Teil auch in den Räumen der Hofer Symphoniker in Hof statt. Die Hausmeister sind für die Kursteilnehmer in einem temporären Büro in der Katholischen Begegnungsstätte erreichbar.

Vor allem dem Hausmeisterehepaar Sabine und Andreas Förster spricht Wolfang Hegel ein großes Kompliment aus: "Es ist ja eine ganz andere Situation, wenn man nicht Herr im eigenen Haus ist. Die Försters leisten einen unschätzbaren Beitrag dafür, dass wir den Kursbetrieb aufrechterhalten können." Das betreffe nicht nur die Situation, dass die Übungsräume derzeit verteilt liegen und durch Laufwege verbunden werden müssen.

Wie kreativ die Lösungen in der Übergangssituation zuweilen ausfallen, erläutert der Büroleiter augenzwinkernd an einem Beispiel: "Im Kurhaus zeigen sich Gäste zuweilen neugierig, warum da jemand am Klavier sitzt und übt. Für unsere ausländischen Kursteilnehmer, die das nicht immer erklären konnten, haben wir nun Kärtchen mit Informationen angefertigt, die sie bei Fragen vorzeigen können."

Besonders wichtig ist es Dr. Hegel, die Konzertbesucher in der Übergangszeit auf dem Laufenden zu halten. Neben der Plakatierung setze man dabei auch auf die Homepage: "Hier informieren wir nicht nur über den Konzertbetrieb, sondern auch über den aktuellen Stand der Bauarbeiten."

www.haus-marteau.de



Gut zu wissen

Das heutige Haus Marteau wurde als Sommerresidenz des Geigenvirtuosen, Komponisten und Lehrers Henri Marteau zwischen 1911 und 1913 erbaut und bis zu seinem Tod 1934 von ihm und seiner Familie auch bewohnt. Seit der Bezirk Oberfranken in den 1980er-Jahren die Künstlervilla übernommen hat, finden hier über 30 Mal im Jahr Meisterkurse in allen denkbaren musikalischen Sparten für Studenten und Absolventen von Musikhochschulen aus aller Welt statt. Als Dozenten können regelmäßig namhafte Instrumentalisten und Solisten gewonnen werden. Wegen der hohen Anzahl an Teilnehmern und Besuchern der Abschlusskonzerte soll das Haus Marteau nun umfassend modernisiert und ausgebaut werden. Auch die Übungsmöglichkeiten für die Musiker sollen verbessert werden.

Henri Marteau

Im Haus Marteau ist der Erbauer und einstige Besitzer, der weltberühmte Geigenvirtuose Henri Marteau, allgegenwärtig.
Währen der Bauarbeiten finden die Meisterkurse an verschiedenen Orten in Bad Steben statt.